02/2008
Zahnimplantate trotz geringer KieferknochendichteWächst Knochen nach? Walter R. (62) aus Dortmund. Ich möchte Zahnimplantate. Das soll nicht möglich sein, weil sich mein Kieferknochen zurück gebildet hat. Was kann man tun?
Zahnverlust ist heute durch Implantate gut therapierbar: Ein Zahnersatz ist problemlos möglich. Voraussetzung ist ein in ausreichender Stärke vorhandener Kieferknochen, in den die künstlichen Zahnwurzeln (Implantate) fest verankert werden können. Später können auf diesen Implantaten Nachbildungen der ursprünglichen Zähne stabil befestigt werden.
Ein Problem für das Einbringen der künstlichen Zahnwurzel in den Kieferknochen kann darin bestehen, dass sich der Knochen schon zurück gebildet hat. Besonders bei fehlenden Backenzähnen im Oberkiefer erfolgt die Knochenrückbildung relativ schnell. Dann lassen sich Zahnimplantate nicht mehr sicher verankern, so dass der Knochen zunächst durch geeignete Maßnahmen neu aufgebaut werden muss (Augmentation). Eine chirurgische Spezialausbildung (Fachzahnarzt für Oralchirurgie) macht dieses für den Patienten zu einem sicheren, wenig belastenden Eingriff mit vorhersehbaren guten Ergebnissen. Dazu gibt es folgende Verfahren:
Knochenanlagerung mit Knochenmehl bzw. Knochenersatzmaterial
Bei geringem Knochenmangel kann der für den Aufbau notwendige Knochen während der Operation gewonnen werden (Knochenmehl, dass beim Bohrvorgang in speziellen Filtern aufgefangen wird). Dieses Knochenmehl entsteht während des Vorbohrens für die später zu setzenden Implantate. Es wird durch innen hohle Spezialbohrer gewonnen und wird mit künstlich hergestelltem organischem Knochen angereichert. Damit der neue Knochen in der gewünschten Position bleibt und nicht "verrutscht", deckt der Oralchirurg die entsprechenden Regionen mit zwei bis drei individuell für sie zugeschnittenen biologischen Folien (Membranen) zu. Diese Membranen sind resorbierbar und werden vom Körper vollständig abgebaut. Die Entfernung ist dann nicht mehr notwendig.
Knochenspreizung
Bei zu schmalem Kiefer ist es möglich, den Knochen durch Knochenspreizung für eine Implantateinbringung vorzubereiten. Dadurch wird Raum für die Implantate, auch im schmalen Kieferknochen, geschaffen.
Sinuslift
Eine Sonderform des Kieferknochenaufbaus stellte der so genannte Sinuslift dar. Im Oberkieferseitenbereich ist die Knochenhöhle durch Knochenaufbau und ausgedehnte Kieferhöhle (Sinus) oftmals so gering, dass ein Implantat nicht in ausreichender Länge stabil eingebracht werden kann. Durch Einlagerung von Knochen bzw. Knochenaufbaumaterialien in den Kieferhöhlenboden, wird diese soweit "angehoben", dass Implantate sicher verankert werden können.
PRP-Verfahren
Die Einheilung aller Knochenaufbauten kann durch das so genannte PRP-Verfahren beschleunigt werden. Das menschliche Blut wird für viele Aufgaben im Körper benötigt. Es enthält auch zahlreiche Faktoren, die zur Wundheilung wichtig sind. Eine besondere Rolle spielen dabei die Blutplättchen. Sie sind mit einer Fülle von Heilungs- und Wachtumsfaktoren für die Vorgänge der Reparation und Regeneration ausgestattet.
In den USA wurde ein Verfahren entwickelt, dass diese Fähigkeit der Blutplättchen ausnutzt. Mit Hilfe von Trägersubstanzen werden die in konzentrierter Form gewonnenen Blutplättchen eingesetzt, um die Einheilung von Implantaten und Knochenaufbauten zu verbessern und zu beschleunigen. Es handelt sich um risikoarmes und sicheres Verfahren. Bei jedem Patienten werden nur Bestandteile des eigenen Blutes verwendet. Durch eine spezielles Zentrifugations-Verfahren wird ein Plasma gewonnen, das reich an körpereigenen Blutplättchen ist. Dem Körper wird zudem suggeriert, eine besonders große Wundfläche im Verhältnis zu dem Blutplättchen-Aufkommen an der kleinen Wunde versorgen zu müssen. Die begleitenden möglichen Nebenwirkungen eines operativen Eingriffs werden ebenfalls deutlich verringert. Die Blutentnahme stellt in der Regel keine nennenswerte Belastung des Patienten dar.
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