05/2010
Peri-Implantitis: Entzündung des Gewebes um das Zahnimplantat herumAufgrund der steigenden Anzahl zahnärztlicher Implantate ist zukünftig
auch mit einer weiteren Zunahme der Komplikationen zu rechnen. Im Jahr
2009 wurden ca. 1 Million Zahnimplantate in Deutschland gesetzt.
Risikofaktoren
Es besteht ein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem
Bakterienbelag an den Implantaten, der sog. peri-implantären Entzündung.
Diese Entzündung verläuft vergleichbar mit der sog. Parodontitis,
d.h. der Entzündung des Zahnhalteapparates durch die Bakterien.
Deren Entzündungsbotenstoffe sorgen nicht nur für eine Entzündung
sondern auch für die Auflösung des Knochens: Es kommt zur
Lockerung des Implantates. Die Entzündung am Implantat verläuft
schneller als die Parodontitis am Zahn.
Grundsätzlich ist die
Gefahr der Peri-Implantitis bei Parodontitis-Patienten höher als
bei Patienten ohne Parodontitis.
Raucher und stark stressbelastete
Patienten haben ebenfalls ein höheres Risiko, dass sich das Implantatbett
entzündet. Das Gleiche gilt für Diabetes-Patienten.
Der Einfluss
einer Osteoporose auf die Entstehung einer Peri-Implantitis ist derzeit
noch unbekannt.
Zu diesen bekannten Risiko-Faktoren gehört auch
die sog. genetische Disposition. Durch eine Genveränderung (Interleukin
minus 1 -Polymorphismus) steigert sich die Entzündungsbereitschaft.
Etwa 30 % der Patienten weisen diese Genveränderung auf. Bei Rauchern
wird diese Entzündungsbereitschaft noch verstärkt. Das bedeutet,
dass diese Patienten häufiger und intensiver eine Peri-Implantitis
bekommen. Um dieses Risiko abzuklären, nutzt der auf Implantate
spezialisierte Zahnarzt und / oder der Fachzahnarzt für Oralchirurgie
sog. Gentests.
Wenn der Biss nicht stimmt, kann ein überbelastetes
Implantat ebenfalls zur Entzündung neigen. Deshalb ist eine regelmäßige
Bisskontrolle für den Erhalt der Implantate sehr wichtig.
Diagnostik
Eine sichere Diagnostik sind bildgebende Verfahren. Mit Hilfe von Röntgenaufnahmen
kann der horizontale und / oder vertikale Knochenabbau festgestellt
werden.
Zusätzlich sollte die Implantatlockerung geprüft
werden Ist ein Implantat bereits locker, muss es zwingend entfernt
werden. Es gibt keine Hoffnung mehr, dass sich ein gelockertes Implantat
wieder festigt.
Zur weiteren Diagnostik gehört die Untersuchung
des Implantatbetts. Dabei werden Schwellung, Rötung und Blutungsneigung
des Implantatlagers untersucht. Ein gesundes Implantat weist eine physiologische
Taschentiefe von nicht mehr als 3-4 mm auf.
In vielen Fällen ist
eine zusätzliche Labordiagnostik (mikrobiologische Analyse der
Bakterien) sinnvoll, um festzustellen, welche Bakterien für die
Peri-Implantitis verantwortlich sind. Auf der Basis dieser Ergebnisse
kann eine mikrobiologische Begleit-Therapie entwickelt werden.
Therapie-Konzepte
Die wichtigste Therapie besteht in der Beseitigung der Bakterien (Entfernung
des bakterienhaltigen Biofilms). Bei allen Therapie-Ansätzen ist
eine regelmäßige Plaque-Kontrolle durch den Patienten sowie
eine professionelle Zahnreinigung durch das Praxisteam Grundvoraussetzung
für eine erfolgreiche Therapie. Bei der Entfernung des Biofilms
kommen Handinstrumente, vertikal schwingende Ultraschall-Systeme und
Pulverstrahlgeräte zum Einsatz. Neben diesen konventionellen Therapie-Ansätzen
hat sich der Einsatz von Lasersystemen zur Entkeimung von Implantat-Oberflächen
bewährt. Dabei kann die Biofilmrate auf unter 10 % reduziert werden.
Zusätzlich erfolgreich ist der Einsatz von ätherischen Ölen.
Schon nach 3 Monaten verbessert sich, durch den zusätzlichen Einsatz
der ätherischen Öle zur normalen täglichen Mundpflege,
der Zustand des Implantatlagers nachweislich.
In ausgeprägten
Fällen sind auch chirurgische Therapie-Ansätze nicht zu umgehen.
Ziel ist dabei die Verringerung der Taschen zwischen dem Implantat
und dem Zahnfleisch.
Vorsorge
Auch wenn der Patient keine Hinweise
auf Komplikationen feststellt, sollte er regelmäßig den
Implantologen aufsuchen. Dieser kann dann bei den ersten Anzeichen
einer Peri-Implantitis frühzeitig reagieren.
Dr. med. dent. Wolfgang H. Koch
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