11/2009
Die Verkürzung der Behandlungszeiten wird zurzeit intensiv diskutiert.Neuartige Implantatoberflächen sorgen daher für eine schnelle Einheilung und machen somit eine sofortige prothetische Versorgung von Implantaten vorhersehbar.
Dr. Wolfgang H. Koch
Die Therapie von Einzelzahnlücken mit Implantaten stellt ein Standardverfahren in der modernen Zahnheilkunde dar. Eine Vielzahl von chirurgischen und prothetischen Konzepten zeigt jedoch, dass wichtige Fragen wie Zeitpunkt der Implantation, offene oder geschlossene Einheilung, provisorische Versorgung oder Sofortbelastung nach wie vor kontrovers diskutiert werden. Die klassischen Einheilzeiten für dentale Implantate betragen im Unterkiefer drei Monate, im Oberkiefer sechs Monate. Die provisorische Versorgung in der Zeit von der Zahnentfernung bis zur Fertigstellung des definitiven implantatgetragenen Zahnersatzes ist häufig sowohl für den Behandler als auch für den Patienten schwierig und in vielen Fällen suboptimal. Daher wurden in der Vergangenheit verschiedene Möglichkeiten und operative Verfahren entwickelt, um diese Zeitspanne zu verkürzen. Dabei kann man grundsätzlich folgende Operationsverfahren unterscheiden:
- Sofortimplantation ohne prothetische Versorgung
- Sofortimplantation mit Sofortversorgung
- Sofortimplantation mit Sofortbelastung
- verzögerte oder Spätimplantation mit Sofortversorgung
- verzögerte oder Spätimplantation mit Sofortbelastung.
Sofortbelastung
Der Zahnersatz wird am Tag der Operation angebracht und hat Kontakt zum Gegenkiefer.
Sofortversorgung
Von einer Sofortversorgung spricht man definitionsgemäß, wenn der Zahnersatz ohne Kontakt zum Gegenkiefer (man kann damit nicht kauen) eingesetzt wird.
Verzögerte Belastung
Der Zahnersatz wird nach Abwarten der klassischen Einheilzeit von drei bzw. sechs Monaten angebracht.
Sofortimplantation
Die Sofortimplantation beinhaltet die sofortige Insertion der Implantate unmittelbar nach Extraktion der Zähne oder nach Abheilung der Weichteile in die knöchern, noch nicht ausgeheilte Zahnlücke.
Verzögerte Sofortimplantation
Die knöcherne Ausheilung hat begonnen, ist aber noch nicht abgeschlossen. Sie wird mit dem Ziel der Verkürzung der Behandlungszeit und einer zusätzlich gesteigerten präventiven Wirkung durchgeführt. Nach einem Zahnverlust kommt es zu Umbauvorgängen des Kiefers, dem Einhalt geboten werden soll.
Spätimplantation
Die verzögerte Implantation beschreibt das Einsetzen der Implantate in die knöchern ausgeheilte Zahnlücke. Sofortimplantation und sofortige Versorgung von Implantaten ermöglichen dabei die optimale Erhaltung der vorhandenen knöchernen Strukturen. Das Sofortimplantat ist aber nur angezeigt, wenn ein ausreichendes Knochenangebot für die Anfangsstabilität vorhanden und das Weichgewebe entzündungsfrei ist. Falls nach Entfernung der Zähne der zurückbleibende Kieferdefekt größer ist, als die einzusetzenden Implantate, ist das Einsetzen von Knochenersatzmaterial (Eigenknochen angereichert durch Mineralstoffe) zwingend notwendig.
Sofortimplantation und Sofortversorgung
Die Vorteile der Sofortversorgung sind offensichtlich. Der Patient kann innerhalb von 24 Stunden nach der Implantation mit einem Lückenschluss rechnen oder definitiv versorgt werden. Dabei stellt die Oberkieferfront den ästhetisch schwierigsten Einsatzbereich dar. Weicher Oberkieferknochen und ein in vielen Fällen reduziertes Knochenangebot stellt hohe Anforderungen an die Sofortstabilität und prothetisch richtige Orientierung des Implantates.
Abhängig vom Weichgewebstypus und dem Verlauf des Zahnfleisches ergeben sich ästhetisch höchste Anforderungen an die Implantatchirurgie als Grundlage für die spätere prothetische Ästhetik. Häufig stellt der Wunsch des Patienten nach einer stabilen provisorischen Versorgung, die ästhetischen Richtlinien entspricht, zusätzlich erhebliche Ansprüche.
Ziel der Sofortversorgung
Ziel der Sofortversorgung ist es dabei, den äußerst kritischen ästhetischen Bereich des Weichgewebes bereits in der provisorischen Versorgung zu stabilisieren und auszuformen. Vor allem die Zone der labialen Gingiva und die Stützung der interdentalen Papillen spielen hierbei eine wichtige Rolle für die Entscheidung zur Sofortversorgung. Wichtig ist hierbei, den Patienten im Vorfeld über das operative Vorgehen aufzuklären und auf das erhöhte Risikopotenzial hinzuweisen.
Fallpräsentation
Der folgende klinische Fall zeigt eine Sofortimplantation mit Sofortversorgung im anterioren Oberkiefer in Regio 22 mit einem NanoTiteTM Implantat der Firma BIOMET
3i.
Eine 23-jährige Patientin stellte sich im Rahmen unserer Implantatsprechstunde in unserer Praxis vor. Die medizinische Anamnese war unauffällig. Der Zahn 22 war nach prothetischer Versorgung mit einem Stiftaufbau und einer VMK-Krone alio loco im Jahre 1998 subgingival frakturiert und nicht erhaltungsfähig.
Gemeinsam mit der Patientin wurden verschiedene Therapieoptionen diskutiert. Für die junge Patientin stand dabei eine möglichst schnelle ästhetische Rehabilitation eindeutig im Vordergrund. Eine Brückenversorgung bzw. das Tragen einer Immediat- oder Interimsprothese stellten für die Patientin keine akzeptablen Behandlungsoptionen dar. Daher entschieden wir uns für eine Sofortimplantation mit Sofortversorgung.
Zusammenfassung
Das Verfahren der Sofortimplantation mit Sofortversorgung stellt bei ausreichenden anatomischen Verhältnissen eine Vorgehensweise dar, die dem Patienten eine Einheilphase mit herausnehmbarem Zahnersatz erspart und in kürzester Zeit eine festsitzende, provisorische Versorgung ermöglicht.
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